Der Innovationsforscher Prof. Dr. Dr. Erich Staudt wird 60

Wer in den siebziger Jahren das Wort „Innovation“ gebrauchte, erntete nur verständnisloses Kopfschütteln. Einer, der sich davon nicht beirren ließ, ist Prof. Dr. Dr. Erich Staudt, der am 18. November 2001 seinen 60. Geburtstag feiert. Der Bochumer Innovationsforscher besaß mit seinen für Politik und Wirtschaft wegweisenden Arbeiten viel Weitblick. Er gehört nicht nur zu den Begründern der betriebswirtschaftlichen Innovationsforschung in Deutschland. Als Wissenschaftler und politischer Berater hat er wie kaum ein anderer die Innovationsszene durch einen offensiven Dialog in der Öffentlichkeit geprägt.

Sehr frühzeitig erkannte er, dass die technologiezentrierten Innovationsstrategien von Politik und Unternehmen nur selten zum gewünschten Erfolg führen. Er rückte die Faktoren Personal und Kompetenz als zentralen Engpass innovativer Entwicklungen in den Mittelpunkt. Heute ist sein Name untrennbar verbunden mit potenzialorientierten Konzepten und Instrumenten zur Entwicklung und Entfaltung innovativer Kräfte auf individueller, Unternehmens- und regionaler Ebene. Mit seiner Arbeit gab er richtungsweisende Impulse zur Gestaltung von Innovationsprozessen.

Nach dem Studium der Physik an der Universität Mainz promovierte der Diplom-Physiker 1973 an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg zum Dr. rer. pol. Der Habilitation für das Fach Betriebswirtschaft folgte 1978 die Berufung zum ordentlichen Professor für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt „Planung und Organisation“ an die Universität Duisburg. Mit der Annahme eines Rufes auf den Lehrstuhl Arbeitsökonomie wechselte Erich Staudt 1986 an die Ruhr-Universität Bochum.

Im von Dauerkrisen geschüttelten Ruhrgebiet erkannte er sehr schnell, dass Führungsmethoden, die sich in stabilen Wachstumsphasen bewährt haben, in entwicklungsdynamischen Strukturwandlungsprozessen versagen. Das war für Erich Staudt Grund genug, nicht mehr nur über Innovationen zu reden, sondern sich mit den vielfältigen Facetten des Managements von Innovationen zu beschäftigen. Dabei zeigte sich, dass der angestrebte, hohe Anwendungsbezug der Forschungsarbeiten nur in enger Kooperation mit bzw. in der betrieblichen Praxis möglich ist.

So war es nur folgerichtig, dass er gemeinsam mit Politikern, Unternehmern und Gewerkschaftern 1982 das „Institut für angewandte Innovationsforschung (iAi) e.V.“ gründete. Aufgabe dieser bis zum heutigen Tag von seinem Gründer geprägten Institution ist es, nicht nur angewandte Forschung auf dem Gebiet des technischen, organisatorischen und strukturellen Wandels durchzuführen, sondern auch die Kooperation und Kommunikation zwischen der Innovationsforschung und den Anwendungsfeldern, d.h. den Erfahrungsaustausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit, zu pflegen.

Seither hat sich das iAi unter der Leitung von Erich Staudt zu einem „think tank“ entwickelt, der als kompetente und unabhängige Einrichtung im Bereich der Innovationsforschung weit über die Grenzen Nordrhein-Westfalens und der Bundesrepublik hinaus anerkannt ist. Dabei liegt die besondere Stärke des iAi darin, frühzeitig Themenfelder zwischen Wissenschaft und Praxis aufzunehmen, dabei aber stets die notwendige Distanz zu modischen Themen, Begriffen und vermeintlichen „Patentrezepturen“ zu halten und gemeinsam mit Beratungsablegern mit neuen Lösungen in der Praxis zu experimentieren.

Als Grenzgänger zwischen Forschung und Praxis ist die Kompetenz von Erich Staudt gleichermaßen in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik gefragt. Seine Mitgliedschaften in verschiedenen Sachverständigenkreisen, Enquete-Kommissionen, Aufsichtsräten, Beiräten und Kuratorien belegen dies. Nicht angepasst, sondern „anstößig“ tritt er auf. Er regt Entwicklungen an, wenn er in Management-Zirkeln Innovationsdefizite aufdeckt. Er löst Grundsatzdebatten aus, wenn er das Innovationspatt im Ruhrgebiet „geißelt“, das Märchen vom Risikokapitalmangel bei Innovationen zerreißt oder warnt, dass Deutschland die Innovatoren ausgehen. Er mischt sich in Bildungs- und Personalpolitik ein, wenn er den Mythos Weiterbildung kippt und neue Kompetenzentwicklungsprogramme formiert. Er lässt es sich gefallen, wenn ihn die Financial Times den „court jester“ der deutschen Technologiepolitik nennt, weil dieser der einzige war, der wirklich die Wahrheit sagen konnte. Das ist sein Verständnis von Wissenschaft: Mindestens fünf Jahre vor dem „Mainstream“, unabhängig von politischen Einflüssen, um dann nicht im Elfenbeinturm, sondern im Dialog mit der Praxis das Neue suchen und wagen.

„Innovation im Konsens ist Nonsens“ behauptet er. „Es sind immer Einzelne oder Min-derheiten, die Neuentwicklungen wagen, Risiken eingehen und Veränderungen suchen. Viele von ihnen bleiben dabei auf der Strecke, und einige haben Erfolg, und erst dann folgt ihnen die Masse.“ Getreu seinem Motto „nur tote Fische schwimmen mit dem Strom“ will er auch zukünftig mit seinen kritischen Analysen und fortschrittlichen Ideen noch manchen Mythos ins Wanken bringen und die Harmonie-Illusion von Politikern und Unternehmern vom Konsens an runden Tischen stören, um Innovationen voranzubringen.

Kurzvita

Prof. Dr. rer.-pol., Dr. rer.-pol. habil., Dipl.-Phys. Erich Staudt

Geboren am 18.11.1941 in Miltenberg/Main. Nach Praktikum im Maschinenbau Studium der Physik und der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.

1973 Promotion: „Struktur und Methoden technologischer Voraussagen – Beitrag zu einer allgemeinen Planungstheorie“ (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg)

1978 Habilitation für das Fach Betriebswirtschaftslehre: „Planung als Stückwerktechnologie“ (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg).

1978- 1986 Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Planung und Organisation an der Universität Duisburg

seit 1986 Lehrstuhl für Arbeitsökonomie an der Ruhr-Universität Bochum

seit 1982 Leitung des Instituts für angewandte Innovationsforschung (iAi) Bochum e.V.

Forschung, Unternehmens- und Politikberatung im Grenzgebiet von Technik, Ökonomie und Soziale Implikation: Personal-, Organisations-, Unternehmens- und Regionalentwicklung.

Autor zahlreicher Aufsätze, Monographien und Sammelwerke zur Unternehmensführung, Planung, Organisation, Personalwirtschaft und Innovationspolitik, darunter

  • „Das Management von Innovationen“
  • „Kooperationshandbuch“
  • „Weiterbildungshandbuch“
  • „Facility Management“
  • „Deutschland gehen die Innovatoren aus“

Herausgeber der „Berichte aus der angewandten Innovationsforschung“ sowie der Reihe „Innovation: Forschung und Management“.

Mitglied in verschiedenen Sachverständigenkreisen, Enquete-Kommissionen des Deutschen Bundestages, Aufsichtsräten, Beiräten und Kuratorien.

Kontakt für Rückfragen:
Institut für angewandte Innovationsforschung (IAI) e.V.
Buscheyplatz 13
44801 Bochum

Tel. 0234/97117-0
Fax 0234/97117-20

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http://www.iai-bochum.de