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![]() Prof. Dr. Dr. Erich Staudt ist am 18. Juni 2002 verstorben Vorstand, Geschäftsführung sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts für angewandte Innovationsforschung (iAi) e.V. und des Lehrstuhls Arbeitsökonomie am Institut für Arbeitswissenschaft der Ruhr-Universität Bochum nehmen Abschied von Professor Dr. Dr. Erich Staudt. Am 18. Juni 2002 ist unser Gründer, Vorstandsvorsitzender, akademischer Lehrer und geistiger Mentor im Alter von nur 60 Jahren verstorben. Bis zuletzt hat er uns mit seiner ihm eigenen Energie begeistert und mit seiner Überzeugungskraft ermutigt, im Spannungsfeld von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik neue Wege einzuschlagen und mit Nachdruck zu verfolgen. Mit ihm verlieren wir nicht nur einen der Begründer und profiliertesten Vertreter der betriebswirtschaftlichen Innovationsforschung. Erich Staudt prägte auch als brillanter Querdenker, Wissenschaftler, Berater und Unternehmer wie kaum ein anderer die deutsche Innovationsszene durch kritische Analysen. Er scheute sich nicht, den Dialog mit der Öffentlichkeit offensiv zu führen und fortschrittliche Konzepte und Ideen auch gegen Widerstände konsequent zu vertreten. Wer in den siebziger Jahren das Wort „Innovation“ gebrauchte, erntete nur verständnisloses Kopfschütteln. Einer, der sich davon nicht beirren ließ, war Erich Staudt. Der Bochumer Innovationsforscher besaß mit seinen für Politik und Wirtschaft wegweisenden Arbeiten viel Weitblick. Nach dem Studium der Physik an der Universität Mainz promovierte der Diplom-Physiker 1973 an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg zum Dr. rer. pol. Der Habilitation für das Fach Betriebswirtschaft folgte 1978 die Berufung zum ordentlichen Professor für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt „Planung und Organisation“ an die Universität Duisburg. Mit der Annahme eines Rufes auf den Lehrstuhl Arbeitsökonomie am Institut für Arbeitswissenschaft wechselte Erich Staudt 1986 an die Ruhr-Universität Bochum, die bis heute das Zentrum seiner Schaffenskraft darstellte. Als Grenzgänger zwischen Forschung und Praxis war die Kompetenz von Erich Staudt gleichermaßen in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik gefragt. Seine Auszeichnungen, wie die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse, belegen seine herausragenden Leistungen ebenso eindrucksvoll wie seine Mitgliedschaften in verschiedenen Sachverständigenkreisen, Enquete-Kommissionen, Aufsichtsräten, Beiräten und Kuratorien. Nicht angepasst, sondern „anstößig“ trat er auf. Mindestens fünf Jahre vor dem „Mainstream“ regte er Entwicklungen an, wenn er in „Management-Zirkeln“ Innovationsdefizite aufdeckte. Er löste Grundsatzdebatten aus, wenn er das Innovationspatt im Ruhrgebiet „geißelte“, das Märchen vom Risikokapitalmangel bei Innovationen zerriss oder warnte, dass Deutschland die Innovatoren ausgehen. Er mischte sich wie kaum ein anderer Wissenschaftler aktiv in die Gestaltungsprozesse der Wirtschafts-, Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik ein, als er den Mythos Weiterbildung anging und neue, zukunftsweisende Kompetenzentwicklungsprogramme formierte. Er betrachtete es als Bestätigung seiner Arbeit, als ihn die Financial Times den „court jester“ der deutschen Technologiepolitik nannte, weil dieser der einzige war, der wirklich die Wahrheit sagen konnte. Mit seinen kritischen Analysen und fortschrittlichen Ideen wollte er noch manchen Mythos ins Wanken bringen und die Harmonie-Illusion von Politikern und Unternehmern vom Konsens an runden Tischen „stören“, um Innovationen voranzubringen. Mit Professor Dr. Dr. Erich Staudt geht eine herausragende Persönlichkeit. Er hinterlässt dem 1982 von ihm gegründeten Institut für angewandte Innovationsforschung (iAi) ein anspruchsvolles und verpflichtendes Verständnis von Wissenschaft. Wir werden ihm ein ehrenvolles Andenken bewahren und dafür arbeiten, dass sein Lebenswerk getreu der Weisheit: „Eines Menschen Zeit zählt länger als seine Jahre“ fortgeführt wird. Unsere herzliche Anteilnahme gilt seinen Angehörigen. Kurzvita
Prof. Dr. rer.-pol., Dr. rer.-pol. habil., Dipl.-Phys. Erich Staudt Geboren am 18.11.1941 in Miltenberg/Main. Nach Praktikum im Maschinenbau Studium der Physik und der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. 1973 Promotion: „Struktur und Methoden technologischer Voraussagen – Beitrag zu einer allgemeinen Planungstheorie“ (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) 1978 Habilitation für das Fach Betriebswirtschaftslehre: „Planung als Stückwerktechnologie“ (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg). 1978- 1986 Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Planung und Organisation an der Universität Duisburg seit 1986 Lehrstuhl für Arbeitsökonomie an der Ruhr-Universität Bochum seit 1982 Leitung des Instituts für angewandte Innovationsforschung (iAi) Bochum e.V. Forschung, Unternehmens- und Politikberatung im Grenzgebiet von Technik, Ökonomie und Soziale Implikation: Personal-, Organisations-, Unternehmens- und Regionalentwicklung. Autor zahlreicher Aufsätze, Monographien und Sammelwerke zur Unternehmensführung, Planung, Organisation, Personalwirtschaft und Innovationspolitik, darunter
Herausgeber der „Berichte aus der angewandten Innovationsforschung“ sowie der Reihe „Innovation: Forschung und Management“. Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse. Mitglied in verschiedenen Sachverständigenkreisen, Enquete-Kommissionen des Deutschen Bundestages, Aufsichtsräten, Beiräten und Kuratorien. Verstorben am 18. Juni 2002 in Essen. |





