IAI-Kurzstudie: Elektronische Prognosemärkte - Erfolgversprechendes Instrument des Innovationsmanagements?

Soll der mittel- und langfristige Erfolg von Unternehmen gesichert werden, ist in Zeiten hart umkämpfter Märkte und hohen Wettbewerbsdrucks die Förderung von Innovationen zur Erzielung von Wettbewerbsvorteilen sowie zur Erschließung der Wachstumsmärkte von morgen zentral.[1] An Ideen besteht dabei in den Unternehmen oftmals kein Mangel.[2] Allerdings ist der Weg von der Idee bis zur Innovation und zur Einführung neuer Produkte weit. Studien bestätigen, dass nur rund 10-15 Prozent der Ideen zu marktfähigen Lösungen weiterentwickelt werden und sich von diesen Neueinführungen lediglich knapp die Hälfte zu wirtschaftlichen Erfolgen entwickeln können.[3] Als Reaktion auf diese hohen Flopraten und auf die damit einhergehenden Kosten, die Unternehmen entstehen, ist die Nachfrage nach Orientierung schaffenden und frühzeitig sichere Bewertungen der Innovationsideen versprechenden Innovationsmanagementmethoden groß.

Im Zuge der Bemühungen um mehr Orientierung wurde in der jüngsten Vergangenheit unter dem von Chesborough geprägten Begriff „Open Innovation“ (Chesborough 2003; Gassmann/Enkel 2006) eine Aufweichung organisationaler Grenzen zur Erschließung neuer Innovationspotenziale diskutiert. Dabei wird bestimmten Leitkunden (Lead User) die Möglichkeit eingeräumt, sich in den kreativen Prozess der Ideengenerierung, -bewertung und -umsetzung einzubringen (Hippel 1986; Hippel 2005). Mit den neuen technischen Entwicklungen der zweiten Internetrevolution, dem sogenannten Web 2.0, wird die Einbeziehung in den Innovationsprozess und die „Nutzung“ breiter Massen für betriebliche Anwendungsfelder zusätzlich erleichtert, was bis in populärwissenschaftliche Veröffentlichungen hinein unter dem Begriff „Crowdsourcing“ Einzug hielt (Howe 2006; Howe 2008; Surowiecki 2005).

Dahinter steckt die Erkenntnis, dass die Einbindung Externer in den Innovationsprozess Vorteile gegenüber bisher weitestgehend internen Ansätzen bietet. Dabei existiert eine Vielzahl von Instrumenten, die in Unternehmen eingesetzt werden. Sie reichen von Ideenbörsen und webbasierten Toolkits, der Arbeit mit Analoganwendern bis hin zur Einbindung von Kunden in Fokusgruppen etc. (Kerka et al. 2006).

Ein Instrument, das aktuell in Wissenschaft und Praxis diskutiert wird, ist das der elektronischen Prognosemärkte. Auf ihnen werden in servergestützen Systemen mögliche Alternativen auf gegebene Fragestellungen in Form von Wertpapieren handelbar gemacht. Mithilfe des aus den Käufen und Verkäufen auf dem Markt resultierenden Preises der Wertpapiere können Kollektivurteile über Eintrittswahrscheinlichkeiten der Alternativen bestimmt werden. Erstmals im politischen Kontext zur Vorhersage von Wahlen ab Ende der 1980er Jahre genutzt, erschlossen sich rasch weitere Anwendungsfelder im betriebswirtschaftlichen Bereich, beispielsweise im Projektmanagement oder in der Absatzplanung.

Neue Veröffentlichungen diskutieren Ansätze, elektronische Prognosemärkte auch zur Förderung von Innovationen einzusetzen, um die „wisdom of crowds“ (Surowiecki 2005) – die Weisheit der Vielen – auch auf diese Weise für das Innovationsmanagement nutzbar zu machen. In diesen Publikationen zeigen sich jedoch im Kern zweierlei Probleme. Auf der einen Seite wird der Innovationsbegriff nicht in seiner Heterogenität abgebildet und Innovationen werden ausschließlich mit Produktinnovationen gleichgesetzt. Auf der anderen Seite fokussiert der untersuchte mögliche Beitrag von Prognosemärkten ausschließlich auf die Ideenbewertung und vernachlässigt so weitere Aufgaben des Innovationsmanagements, die im Lauf eines Innovationsprozesses anfallen.

Vor diesem Hintergrund ist das Ziel der Studie, prinzipielle Anwendungsmöglichkeiten von Prognosemärkten bei der Bewertung von Innovationen aufzuzeigen und ihren Beitrag für ein erfolgreiches Innovationsmanagement über den ganzen Innovationsprozess zu analysieren.

Die Studie befindet sich in der Erstellung und soll in Kürze als Arbeitspapier veröffentlicht werden.


[1] Der Zusammenhang zwischen Innovationsfähigkeit und Markterfolg wurde in vielen empirischen Studien bestätigt. Vgl. exemplarisch: Kriegesmann/Kerka 2007.

[2] So liegt beispielsweise die Zahl der Patentanmeldungen in Deutschland seit zehn Jahren in etwa konstant bei rund 60.000 und damit bei fast doppelt so vielen wie in England und Frankreich zusammen (Deutsches Patent- und Markenamt 2009).

[3] So kam beispielsweise das Institut für angewandte Innovationsforschung in einer Studie aus dem Jahr 2005 zu dem Ergebnis, dass lediglich 6 Prozent der „offiziellen Produktideen“ zu erfolgreichen Produkten    weiterentwickelt werden konnten (Kerka et al. 2006). Zu weiteren empirischen Befunden siehe u.a. Page 1993; Cooper 2002; Schaller 2002.