Die Job-Maschine Biotechnologie gerät ins Stottern! Innovationen erfordern neue Wege in der Personalpolitik

Während Entlassungswellen in Großbetrieben im Konjunkturtief erneut zehntausende Arbeitnehmer arbeitslos machen, verzeichnen innovative kleine und mittelständische Betriebe einen steigenden Personalbedarf. Unabhängig vom kurzweiligen "Auf und Ab" an den Börsen prognostizieren Experten z. B. für die Biotech-Branche eine Verdoppelung der Mitarbeiterzahlen binnen 2 bis 3 Jahren. Trotz 4 Millionen Arbeitsloser haben aber selbst Vorzeigeunternehmen wachsende Schwierigkeiten, kompetentes Personal zu finden und längerfristig zu binden. Vor allem naturwissenschaftlich-technisch versierte Fach- und Führungskräfte werden händeringend gesucht. Eine aktuelle Studie des Bochumer Instituts für angewandte Innovationsforschung (IAI) analysiert die Ursachen der Diskrepanzen auf dem Arbeitsmarkt und zeigt Lösungsansätze auf, wie Unternehmen aus Zukunftsbranchen den Fachkräftemangel überwinden können.

Nach der Informationstechnologie tritt mit der Biotechnologie eine weitere Zukunftsbranche in Deutschland auf der Stelle: Der Fachkräftemangel blockiert vorhandene Wachstumsmöglichkeiten! Die Ursachenanalyse zeigt: Die personellen Engpässe werden durch eine Lücke im System der beruflichen Bildung ausgelöst. Wenn forschungsorientierte Biotech-Betriebe hierzulande einen technischen Assistenten suchen, können sie sich mit den Absolventen der bewährten gewerblichen Ausbildung im dualen System zumeist noch behelfen, ebenso dann, wenn sie unter den Absolventen der Hochschulen wissenschaftlichen Nachwuchs für Tätigkeitsfelder in Forschung und Entwicklung rekrutieren.

Je mehr sich die Branche aber durch die Platzierung neuartiger Verfahren, Produkte und Dienstleistungen am Markt von einer forschungsorientierten "Inventionsszenerie" zu einer echten "Innovationslandschaft" entwickelt, umso mehr treten die Fehlstellen im Ausbildungssystem zu Tage. Bei marktorientierten Betrieben aus Hochtechnologiefeldern entstehen mehr als 50 Prozent der neu geschaffenen Stellen eigentlich auf einem "mittleren Kompetenzniveau" zwischen der praxisorientierten gewerblichen und der eher theoretisch ausgerichteten akademischen Ausbildung.

Gewerbliche "Lehrlinge" sind hier überfordert, und Hochschulabsolventen verfügen kaum über die wettbewerbskritischen praktischen Erfahrungen, die beim Aufbau von Produktions-, Vertriebs-, Service- und Managementkapazitäten erforderlich sind. Weil dies so ist, konzentriert sich die Personalrekrutierung vieler Biotech-Unternehmen bei marktorientierten Tätigkeitsfeldern auf berufserfahrene Naturwissenschaftler und Ingenieure. Dieses aus einzelwirtschaftlicher Perspektive verständliche Vorgehen führt in Summe aber in die Sackgasse. Wenn nahezu die gesamte Branche zur gleichen Zeit mit denselben Methoden versucht, auf an anderer Stelle aufgebaute praktische Erfahrungspotenziale zuzugreifen, dann führt dies nicht zu den erhofften "günstigen" Rekrutierungserfolgen, sondern zu einer massiven Wettbewerbsintensivierung, die durch explodierende Personalkosten, höhere Fluktuationsraten und damit einhergehende wachsende Planungsunsicherheiten bei betrieblichen Entwicklungsabsichten gekennzeichnet ist.

Wenn Biotech-Betriebe trotz dieser widrigen Umstände weiter expandieren wollen, sind neue Wege in der Personalpolitik unumgänglich. Dabei sind drei Stoßrichtungen von zentraler Bedeutung:

(1) Die Ausbildungslücke muss geschlossen werden! Anspruchsvolle Ausbildungsaktivitäten im defizitären mittleren Kompetenzsegment erfordern nicht nur Investitionen der Betriebe, sondern auch massive politische Unterstützung. Erfolgreiche Beispiele an Berufsakademien und duale Studiengänge an Fachhochschulen sind noch zu selten, um hinreichend kompetenten Nachwuchs für marktorientierte Tätigkeitsfelder zu gewinnen.

(2) Brachliegende personelle Reserven auf dem Arbeitsmarkt sind zu aktivieren! Die Integration vor allem älterer arbeitsloser Naturwissenschaftler und Ingenieure, die schnelle Übernahme freigesetzter Fach- und Führungskräfte aus Großbetrieben, aber auch die Einbindung hoch qualifizierter Frauen ist durch gezielte Anwerbung, intelligente Einarbeitung und arbeitsorganisatorische Flexibilisierung noch deutlich ausbaufähig.

(3) Neben der Professionalisierung von Rekrutierungsbemühungen kommt es verstärkt darauf an, das eigene Personal über Anreizsysteme an das Unternehmen zu binden. Benchmarks weisen auf die Bedeutung immaterieller Anreize, wie etwa Sabbaticals, flexible Arbeitszeiten, anspruchsvolle Aufgaben, offene Kommunikationsstrukturen etc. hin. Auch Mitarbeiterbeteiligungen sind als Bindungsanreize nicht zu unterschätzen. Sie entfalten ihre Wirkung vor allem dann, wenn sie echte Anreize zur Mitunternehmerschaft bedeuten, d.h. mit einer Einbindung in Entscheidungsprozesse verbunden sind.

Professor Erich Staudt (Leiter des IAI) resümiert: "Innovation ohne Personalentwicklung ist unsinnig. Wenn innovative Betriebe sich nicht offensiver im Prozess der Kompetenzentwicklung engagieren, wird der Fachkräftemangel langfristig die zentrale Barriere für wirtschaftliches Wachstum bleiben!“

Die vollständige Studie "Innovation ohne Personalentwicklung führt in die Sackgasse. Ursachenanalyse – Zukunftsaussichten – Lösungsansätze für die Personalpolitik von innovativen Unternehmen am Beispiel der Biotechnologie" ist zum Selbstkostenpreis zu beziehen beim:

Institut für angewandte Innovationsforschung (IAI) e.V.
Buscheyplatz 13
44801 Bochum

Tel. 0234/97117-0
Fax 0234/97117-20

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http://www.iai-bochum.de