Misserfolg von Weiterbildung neu entdeckt
- Qualitätssicherung der Weiterbildung auf dem richtigen Weg - reicht aber nicht aus -
Mehr als die Hälfte der Weiterbildungsbemühungen läuft ins Leere. Das ist nicht neu. Neu ist, dass diese Bilanz jetzt öffentlich diskutiert wird. Das ist längst überfällig. Denn neben erheblichen Mitteln, die fehlkanalisiert werden, entstehen Verunsicherung, Enttäuschung und Demotivation bei den Teilnehmern, die keinen Vermittlungserfolg verzeichnen können. Wer von der ersten in die zweite Maßnahme und dann doch in die Arbeitslosigkeit fällt, verliert den Glauben an den Mythos Weiterbildung. Lebenslanges Lernen wird dann zur echten Bedrohung. Der Reformierungsbedarf eines überkommenen Weiterbildungssystems ist auch im Zuge der Diskussion um die Effekte der von der Bundesanstalt für Arbeit finanzierten Maßnahmen erkannt worden. Die Schlussfolgerung aber, mit etwas Qualitätssicherung den diffusen Weiterbildungsmarkt retten zu können, führt in die Irre. Auf diesem Weg kann nur ein Teil der Kompetenzentwicklung zur Sicherung der Beschäftigungsfähigkeit professionalisiert werden. Denn es ist nicht die Wissensvermittlung, die zur Kompetenz führt, sondern der Aufbau von Erfahrungen, der außerhalb institutionalisierter Weiterbildung stattfindet.
Es besteht eine Differenz zwischen dem, was über traditionelle Weiterbildung vermittelt werden kann, und dem, was die Kompetenz zur Handlung ausmacht. Weiterbildung konzentriert sich auf frei verfügbares Wissen, das über die Schulbank zu vermitteln ist. Dieses Wissen ist unentbehrlich, macht aber nur etwa 20 % der Handlungsfähigkeit aus. Der Rest resultiert aus Erfahrungen, Fertigkeiten, Motivation und Persönlichkeit. Traditionelle Weiterbildung ist damit hoch professionalisiert auf den gut beeinflussbaren Bereich des expliziten Wissens konzentriert.
Streuverluste bleiben daher auch bei der Intensivierung von Qualitätssicherungsbemühungen des 20-%-Bereichs erhalten. Eine Qualitätsoffensive „Weiterbildung“ ist deshalb nicht falsch. Sie kann sicherlich dazu beitragen, die Effizienz von Weiterbildung deutlich zu erhöhen, und stört allzu gefestigte Weiterbildungsstrukturen. Sie ist jedoch nur auf einen kleinen Teilausschnitt der Kompetenz, die letztlich Basis der individuellen Beschäftigungsfähigkeit ist, ausgerichtet.
Gefährlich wäre daher, zu glauben, dass mit der Effizienzsteigerung der Weiterbildung die Beschäftigungsfähigkeit der Teilnehmer deutlich gesteigert werden kann. Neben Qualitätssicherung des Bestehenden braucht es Raum für neue Formen der Kompetenzentwicklung. Für die dominant handlungsbestimmenden Kompetenzbestandteile von der Erfahrung bis zur Motivation fehlen aber Entwicklungsmuster.
Das macht eine Gewichtsverschiebung bei den Bemühungen um die Erhöhung der Beschäftigungsfähigkeit notwendig. Angesichts der hohen Bedeutung praktischer Erfahrungen und informeller Kompetenzquellen wird eine Neuformierung beruflicher Kompetenzentwicklung notwendig. Arbeitsintegriertes Lernen sowie Lernen im sozialen Umfeld im Verbund mit professionalisierter Weiterbildung und in Anerkennung souveräner Lernsubjekte, die ihre Kompetenzentwicklung selbst organisieren, weist dabei in die richtige Richtung. Das erfordert aber mehr als Optimierung bestehender Weiterbildungsstrukturen.
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