Deutschland gehen die Innovatoren aus! Zukunftsbranchen in der Sackgasse!

Der Mangel an kompetenten Fachkräften wird zum zentralen Problem der deutschen Wirtschaft! Die Lücken in den Nachwuchsketten eskalieren, sind kurzfristig nicht zu schließen, und die älter werdenden Fachkräfte sind nicht mehr "up-to-date". Die bislang aus Politik und Wirtschaft eingeleiteten Gegenmaßnahmen demonstrieren Orientierungslosigkeit: Durch die "Green Card" sind die weiter aufbrechenden Lücken nicht aufzufüllen, Bildungsreförmchen kurieren nur an den Symptomen einer überkommenen Ausbildungslandschaft, und Weiterbildungsoffensiven versagen. Aus dem selbstverschuldeten Fachkräftemangel resultiert ein umfassendes Modernisierungsloch, das mindestens 10 Jahre andauern wird.

Eine aktuelle Studie des Bochumer Instituts für angewandte Innovationsforschung (IAI) zeigt: Es fehlen nicht nur ein paar Akademiker aus der Informatik. Die personelle Basis zur Generierung und Anwendung von Innovationen und damit zur Realisierung von wirtschaftlichem Wachstum schwindet in aller Breite! Die Ursachenanalyse belegt: Es gibt in Deutschland nicht nur viel zu wenige Fachleute in technischen Berufen, sie werden auch noch falsch aus- und weitergebildet.

  1. Der Mangel an Gründern und Fachkräften wird sich noch erheblich verstärken: Während sich 1990 noch 20.000 junge Leute für ein ingenieurwissenschaftliches Studium der Elektrotechnik, im Maschinenbau oder der Verfahrenstechnik einschrieben, sind es heute nur noch knapp die Hälfte. Noch dramatischer verläuft die Entwicklung in Teilen der Naturwissenschaften. 1992 absolvierten noch über 8.000 Studenten der Chemie und Physik ihr Vordiplom, 1998 nicht einmal mehr 2.500. Die Zahl der Absolventen wird in diesen Fächern somit bis zum Jahr 2002 um über 70 Prozent geradezu erdrutschartig einbrechen. Diese Negativentwicklung wird bis zum Jahr 2010 nicht mehr zu korrigieren sein.
  2. Junge Leute stranden in der Sackgasse des beruflichen Ausbildungssystems. Sie sind zwar formal höher qualifiziert als jede Generation zuvor, aber vielfach handlungsunfähig oder eben inkompetent, Probleme in der Praxis zu lösen: Die zunehmende Zahl Hochqualifizierter, die in das Arbeitssystem nicht mehr hineinkommen oder herausfallen, das Leerlaufen gewerblicher Ausbildungsgänge sowie wachsende vakante Stellenkontingente im Innovationsbereich belegen: Das Ausbildungssystem des vergangenen Jahrhunderts ist unzureichend, den anstehenden Strukturwandel zu bewältigen. Die gewerbliche Ausbildung im dualen System hat sich zwar bewährt, die Weiterentwicklung auf ein neues, gerade im Bereich moderner Technologien häufig unverzichtbares Kompetenz-Niveau steht aber aus. Die akademische Ausbildung ist als Jobausbildung für Berufsbilder außerhalb des Wissenschaftssystems ungeeignet.
  3. Der Kompetenzverfall im Berufsverlauf von Fachkräften hat sich beschleunigt: Selbst Hochqualifizierte fallen in Deutschland immer früher aus dem Berufsleben heraus. Trotz des gravierenden Fachkräftemangels geht der Aussortierungsprozeß von Fachkräften weiter. So ist die Arbeitslosigkeit von Ingenieuren und Naturwissenschaftlern über 45 seit Beginn der 90er Jahre um bis zu 800 Prozent gestiegen – das ist deutlich mehr als bei den Hilfsarbeitern.
  4. Die Anpassungsmechanismen des Aus- und Weiterbildungssystems versagen: Die Entfernung des Bildungssystems von den Anforderungen innovierender Betriebe hat die ehemaligen Spezialisierungsvorteile deutscher Fachleute aufgebraucht. Eine auf Wissensvermittlung reduzierte Lernkultur behindert die Anpassung an den Strukturwandel. Weiterbildungsoffensiven gehen an den Kompetenzdefiziten einer innovierenden Wirtschaft vorbei. Nicht die weitere Perfektionierung des Wissenszugangs ist das Problem. Es fehlt vor allem an praktischen Erfahrungen in neuen Feldern und einem verwertbaren Kompetenzaufbau, der die Employability sichert.

Um die Fachkräftelücke wieder zu schließen, reicht Zuwanderung nicht aus. Es gibt weltweit nicht einmal die Zahl an mobilen und kompetenten Fachkräften, die allein am Standort Deutschland benötigt werden. Professor Erich Staudt (Leiter des IAI): "Wenn wir zur Erhaltung unseres Wohlstandes an der Spitze in der globalen Entwicklungsdynamik bleiben wollen, dann ist es notwendig, die Fehlentwicklungen der Bildungs-, Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik zu korrigieren, die Unternehmen wieder stärker in die Verantwortung für die Kompetenzentwicklung zu nehmen und nicht weiter an den Symptomen veralteter Aus- und Weiterbildungsgänge herumzukurieren, sondern neue Strukturen zu schaffen, die die eskalierenden Kompetenzdefizite beseitigen können."

Man wird sich endlich einer grundlegenden Neuorientierung des Bildungswesens stellen müssen,

  1. die den Aufbau eines neuen "dualen Systems" zwischen der praxisnahen gewerblichen und der theoretisch abgehobenen akademischen Ausbildung und
  2. die Professionalisierung von Aufbau und Erhaltung praktischer Erfahrung im Innovationsbereich auf neuem Niveau zum Ziel haben muß.

Die vollständige Studie "Deutschland gehen die Innovatoren aus. Zukunftsbranchen ohne Zukunft?" ist im Buchhandel erhältlich (Verlags-Telefon für Fragen: 069 / 7591-1112 oder –1709).

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse in deutscher und englischer Sprache ist erhältlich beim:

Institut für angewandte Innovationsforschung (IAI) e.V.
Buscheyplatz 13
44801 Bochum

Tel. 0234/97117-0
Fax 0234/97117-20

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http://www.iai-bochum.de