Produktinnovation: Umsetzungsbarrieren durch Simultaneous Venturing überwinden

An Erfindungen herrscht derzeit kein Mangel, wie der Blick in aktuelle Patentstatistiken mit über 64.000 neuen Anmeldungen verrät. Doch Kreativität allein sagt noch nichts aus über unternehmerischen Erfolg, wie horrende Flopraten bei Produktinnovationen verdeutlichen: Nur jedes zehnte Innovationsprojekt ist letztlich von wirtschaftlichem Erfolg gekrönt. Vielfach mangelt es an Umsetzungskompetenz, d.h. am Potenzial zur Durchsetzung innovativer Ideen im eigenen Unternehmen und am Markt. In einer aktuellen empirischen Erhebung des IAI wurden bei über 400 Produktinnovationsprozessen technisch, personell, organisatorisch und extern bedingte Umsetzungsbarrieren vergleichend analysiert. Die Ergebnisse belegen, dass Art und Höhe des Innovationswiderstands dominant vom Neuigkeitsgrad der Innovation bestimmt werden – je radikaler die Neuerung, desto höher die Umsetzungsbarrieren. Gleichzeitig bergen eben diese echten Neuerungen aber auch das höchste Erfolgspotenzial: Wirtschaftlich erfolgreiche Produktinnovationen unterscheiden sich also gerade nicht durch eine im Prozessverlauf geringere Barrierenhöhe. Anstatt den "Weg des geringsten Widerstands" zu wählen, wurden bei erfolgreichen Innovationsprozessen vielmehr intelligente Strategien realisiert, um unvermeidliche Umsetzungsbarrieren zu erkennen und zu überwinden. Radikale Produktinnovationen bieten riskante Chancen – sie zu nutzen, setzt ein besonderes Innovationsmanagement (sog. "Simultaneous Venturing") voraus. Für sehr erfolgreich verlaufene Innovationsprozesse ist dabei charakteristisch, dass nicht einseitig die technische Problemlösung fokussiert wird, sondern frühzeitig die Voraussetzungen zur Umsetzung im Unternehmen geschaffen, sowie Lieferanten und Kunden auf die Neuerung vorbereitet werden. Überdies zeigen die Ergebnisse, dass bei erfolgreichen Innovationsprozessen die Einwände konstruktiver Kritiker (sog. "paradoxe Promotoren") effizienter zur Sensibilisierung für mögliche Innovationsbarrieren und zur Weiterentwicklung des Produktes genutzt werden.

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Veröffentlichungen:
Kriegesmann, B.; Kerka, F.; Kley, T.: Umsetzungsbarrieren bei Produktinnovationen, in: Zeitschrift für Management,
Kriegesmann, B.; Kerka, F.; Kley, T.: Kulturen für die Umsetzung von Neuerungen – Auf dem „Weg des geringsten Widerstands“ zum Innovationserfolg?, in: Kriegesmann, B.; Kerka, F. (Hrsg.): Innovationskulturen für den Aufbruch zu Neuem, Wiesbaden 2007, S. 85-134.