Das Märchen vom Fachkräftemangel

In vielen Organisationen wird die Bedeutung der „Humanressourcen“ für den Unternehmenserfolg zwar betont, die aktuelle Debatte um einen massiven Fachkräftemangel verdeutlicht jedoch einmal mehr die Defizite vieler Unternehmen bei der strategischen Personalentwicklung. Die Sicherung der Personalverfügbarkeit konzentriert sich auf die zunehmend von leistungsstarker Klientel abgekoppelte gewerblich-technische Ausbildung, während bei jedem Aufschwung der Ingenieurmangel eskaliert. Weite Teile der Wirtschaft sind seit geraumer Zeit mit Anforderungen konfrontiert, die nach neuen Lösungen im Verbund des bewährten Systems der gewerblich-technischen Ausbildung mit der akademischen Hochschulbildung verlangen. Umso unverständlicher erscheint es, dass viele Unternehmen bislang weithin frei von Engagements in diesem besonders kritischen Segment sind. Im Jahr 2007 haben sich gerade einmal etwa 10.000 Betriebe mit rund 17.500 Ausbildungsverträgen – also weniger als 4.000 pro Ausbildungsjahrgang – in dieser existenziellen Pipeline für ingenieurwissenschaftliche Berufsbilder engagiert. Würde die deutsche Wirtschaft den Anteil der Ausbildungsplätze im Segment dualer Studiengänge auf drei Prozent der jährlichen betrieblichen Ausbildungsleistung erhöhen, wären quantitative und qualitative Engpässe der Fachkräfteproblematik gleichermaßen zukunftsorientiert anzugehen.

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Veröffentlichungen: Kriegesmann, B.; Kottmann, M.: Das Märchen vom Fachkräftemangel – Plädoyer für eine strategische Neuorientierung betrieblicher Ausbildungsportfolios zur Überwindung personell bedingter Innovations- und Wachstumsbarrieren, Bochum 2007; Kriegesmann, B.; Kottmann, M.; Striewe, F.: The Skills Deficit Myth, in: Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) (Ed.): Meeting the Growing Demand for Engineers and their Educators 2010-2020, International Conference, Munich 2007; Kriegesmann, B.; Kottmann, M.: Das Märchen vom Fachkräftemangel, in: Süddeutsche Zeitung Nr. 199 vom 30. August 2007, S. 24.