Balance von Innovation und Tradition statt Abbruch von Routinen

Mit zunehmendem Innovationsdruck hat ein Wandel in den diskutierten Managementkonzepten stattgefunden. Waren lange Zeit Konzepte auf der Agenda, die die Optimierung von Strukturen und Prozessen im Fokus hatten, wird nunmehr unter dem Label Lernende Organisation die Forderung nach Flexibilität, Dezentralisierung, Selbstorganisation etc. erhoben.
Bei einem Blick auf die gängigen Entwürfe drängt sich der Eindruck auf, dass Unternehmen sich nunmehr permanent und ausschließlich mit ihrer Veränderungsfähigkeit zu befassen hätten und dafür eine radikale Änderung ihres organisatorischen Erscheinungsbildes notwendig wäre. Doch jedes Unternehmen ist auf stabilisierende Routinen und operative Exzellenz angewiesen. Es ist daher wenig sinnvoll, unreflektiert dem Leitbild der Lernenden Organisation zu folgen und das gesamte Unternehmen für Innovationen instrumentalisieren oder umfunktionalisieren zu wollen.
In der Konsequenz heißt das, auf die Veränderung des gesamten Systems und den Versuch, alle Beschäftigten gegen ihren Willen und ihre Talente für den Aufbruch zu Neuem zu bewegen, zu verzichten. Vielmehr spricht einiges dafür, Veränderungen am Rande gewachsener Strukturen zu forcieren und gleichzeitig Eliten für Routinen zu fördern.

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Veröffentlichungen: Kriegesmann, B.; Kerka, F.; Striewe, F.; Schwering, M. G.: Lernende Organisation: Überfällige Korrekturen am Konzept, in: Deutsche Gesellschaft für Personalführung e.V. (Hrsg.): Personalführung, 38. Jg., Heft 3/2005, S. 48-55; Kriegesmann, B.; Kerka, F.; Schwering, M. G., Striewe, F.: Bedingungen betrieblicher Innovationsprozesse - Ein kritischer Blick auf das Konzept der Lernenden Organisation, in: ARBEIT, Zeitschrift für Arbeitsforschung, Arbeitsgestaltung und Arbeitspolitik, 14. Jg., Heft 2/2005, S. 118-130; Kriegesmann, B.; Kerka, F.; Schwering, M. G.; Striewe, F.: Zwischen Veränderungseuphorie und Innovationslethargie - Missverständnisse über Lernende Organisationen, Bochum 2005; Kerka, F.; Schwering, M. G.; Striewe, F.: Balance von Innovation und Tradition - neue Aufgaben für die Personalentwicklung bei der Gestaltung zukunftsfähiger Organisationen, in: Geißler, K. A.; Laske, S.; Orthey, A. (Hrsg.): Handbuch Personalentwicklung, 98. Erg.-Lfg., Juli 2005, Kap. 5.44, S. 1-23; Kriegesmann, B.; Kerka, F. (Hrsg.): Innovationskulturen für den Aufbruch zu Neuem: Missverständnisse - Praktische Erfahrungen - Handlungsfelder des Innovationsmanagements, Wiesbaden 2007.