IAI Schriftenreihe "Innovation - Forschung und Management" - Band 22
Kriegesmann, B.; Thomzik, M.:
Entwicklungspotentiale in der Zusammenarbeit von Handwerksbetrieben und Stadtwerken
Bochum 2003.
Inhaltsverzeichnis
TEIL I
EXECUTIVE SUMMARY
TEIL II
STAND UND ENTWICKLUNGSPOTENTIALE IN DER ZUSAMMENARBEIT VON STADTWERKEN UND HANDWERK
1 Ausgangslage: Versorgungsmarkt in Bewegung
1.1 Die Stadtwerkelandschaft im Umbruch
1.2 Das Handwerk in schwierigem Umfeld
1.3 Die gemeinsame Bedrohungslage – Der Kampf um Wertschöpfungsanteile hat begonnen
2 Aufbau und Methodik der Untersuchung
3 Der aktuelle Stand der Zusammenarbeit zwischen Stadtwerken und Handwerksbetrieben in Nordrhein-Westfalen
3.1 Die Auftragsvergabe von Stadtwerken an das Handwerk: Eine bedeutende Marktpartnerschaft
3.1.1 Höhe und Entwicklung der Auftragsvergabe von Stadtwerken an das Handwerk
3.1.2 Die inhaltliche Arbeitsteilung innerhalb der Marktpartnerschaften zwischen Stadtwerken und Handwerk
3.2 Status quo und Ausgestaltung der bestehenden Kooperationen in Nordrhein-Westfalen
3.2.1 Der aktuelle Kooperationsgrad
3.2.2 Die Kooperationsbereiche und formale Ausgestaltung der Zusammenarbeit
3.2.3 Die Beurteilung der Kooperationen aus Sicht der Partner
3.2.3.1 Die empfundenen Vorteile
3.2.3.2 Der aktuelle Zufriedenheitsgrad
3.2.3.3 Die Auswirkungen bei kurzfristiger Beendigung der Kooperationen
3.2.4 Die Gründe gegen eine Kooperation
3.2.5 „Leuchtturmprojekte“ aus Nordrhein-Westfalen
3.2.5.1 Initiative Wartungsqualität Sanitär/Heizung/Klima Münster e.V.
3.2.5.2 Nahwärme Düsseldorf GmbH
3.2.5.3 Vertriebspartnerschaft Dortmund
3.2.5.4 RIA – Regionaler Installateurausschuss Gas/Wasser für Rhein-Berg/ Leverkusen
3.3 Die Entwicklungsperspektiven in der Zusammenarbeit von Stadtwerken und Handwerksbetrieben in Nordrhein-Westfalen
3.3.1 Die künftigen Herausforderungen und Bedrohungslagen
3.3.2 Die Entwicklungsabsichten in den Tätigkeitsschwerpunkten
3.3.3 Die Bereiche zur Intensivierung der Zusammenarbeit
4 Kooperation als Option zur gemeinsamen Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit von Stadtwerken und Handwerk in Nordrhein-Westfalen
Ausgangslage: Versorgungsmarkt in Bewegung
Traditionell übernehmen Stadtwerke in Deutschland die Versorgung mit Strom, Erdgas, Wärme sowie Trinkwasser. Entsprechend den regionalen Bedarfen und Gegebenheiten unterscheiden sich die Stadtwerke in Unternehmensgröße aber auch in ihrem Leistungsspektrum.
In diesem Kontext hat sich eine stabile Arbeitsteilung mit dem lokalen Handwerk etabliert, die für den Kunden vollständige Problemlösungsbündel sicherstellt. Mit der Liberalisierung der Energiemärkte, der damit verbundenen Öffnung gegenüber Wettbewerbern aus dem Ausland aber auch dem Eindringen branchenfremder Unternehmen in den Markt der versorgungsnahen Dienstleistungen verändern sich die Wettbewerbspositionen der Stadtwerke aber auch vieler Handwerksbetriebe.
Damit stellt sich die Frage, wie man in geändertem Wettbewerbsumfeld seinen Platz sichern bzw. ausbauen kann, wie Leistungsangebote neu zu gestalten und auch die Arbeitsteilung zwischen Stadtwerken und Handwerk weiterzuentwickeln ist. Die Ausgangsbedingungen in beiden Bereichen forcieren dabei den Entwicklungsdruck.
Die Stadtwerkelandschaft im Umbruch
Nach langjähriger Debatte setzte die EU-Kommission 1997 die EU-Strombinnenmarktrichtlinie in Kraft. Ziel war es, die bis dahin weitgehend monopolistisch strukturierten Energiemärkte im Bereich leitungsgebundener Energien für den Wettbewerb zu öffnen. Im April 1998 ist das Gesetz zur Neuregelung des Energiewirtschaftsrechtes in Kraft getreten, mit dem die EU-Richtlinie in deutsches Recht umgesetzt wird. Damit wurde ein neuer Ordnungsrahmen für die Energiewirtschaft in Deutschland abgesteckt. Seither sind die Energiemärkte in stetem Wandel. Dabei wurden insbesondere dem Stadtwerkebereich düstere
Aussichten prognostiziert.
Tatsächlich sind die Stadtwerke alleine in Nordrhein-Westfalen mit einem Umsatz von insgesamt knapp 12 Milliarden Euro und einem jährlichen Investitionsvolumen von ca. 1,1 Milliarden Euro nach wie vor ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Insgesamt beschäftigen sie in Nordrhein-Westfalen ca. 41.000 Menschen. Als überwiegend klein- und mittelbetrieblicher Wirtschaftsbereich sind die Stadtwerke darüber hinaus nicht nur selbst wichtiger Teil des nordrhein-westfälischen Mittelstandes, sondern auch als bedeutender Auftraggeber vor Ort Voraussetzung für die Entfaltung einer Vielzahl von mittelständischen Betrieben
im regionalen Umfeld.
Als Gegengewicht zu den großen nationalen und internationalen Konzernen im Strom- und Gasmarkt leisten die 985 Mitgliedsbetriebe des Verbandes Kommunaler Unternehmen e.V. in Deutschland einen erheblichen Beitrag zur Energie- und Wasserversorgung. Allein in Nordrhein-Westfalen tragen die 230 regional agierenden Stadtwerke mit einer nutzbaren Abgabe von 61,9 Mrd. kWh Strom, 122,2 Mrd. kWh Gas, 9,8 Mrd. kWh Wärme und 904,7 Mio. m³ Wasser wesentlich zu einer sicheren und dezentralen Versorgung bei. Trotz der Liberalisierung konnten sich also die Stadtwerke – wie diese Daten eindrucksvoll
belegen – bis heute behaupten. Die Prophezeiung zu Beginn des Liberalisierungsprozesses, nach der den Stadtwerken ein baldiges Ende vorausgesagt worden war, hat sich nicht erfüllt; das große Stadtwerkesterben blieb aus. Gleichwohl haben sich strukturelle Verschiebungen vollzogen.
Effekte zeigen sich u.a. in[...]
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