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„Teure Flops“: Nur jedes zweite Industrie-Neuprodukt wird zum Erfolg. Studie zeigt Wege zu mehr Produktivität

Erstellt am: 29.11.17

Innovative Neuprodukte gelten als Garanten für den Unternehmenserfolg. Die Entwicklung von Neuprodukten kostet häufig mehrere Millionen Euro – riskante Investments mit einer Erfolgschance von nicht mehr als 50%. Wer an den Bedürfnissen der Kunden vorbei entwickelt oder während der Entwicklung Doppelarbeiten in Kauf nimmt, „verschwendet“ knappe Ressourcen: Zeit, Geld und häufig auch „Nerven“ der Fach- und Führungskräfte. Wie knappe Ressourcen nützlich verwendet werden können, analysierten Wissenschaftler vom IAI Bochum in einer empirischen Studie (www.refo-projekt.de).

Die schriftliche Befragung von über 370 Technologieunternehmen zeigt Handlungsbedarfe auf mehreren Ebenen: a) Nur jedes zweite Neuprodukt der Industrie ist erfolgreich. „Spitzenunternehmen“ liegen bei 64%, das „Verfolgerfeld“ erreicht eine Erfolgsquote von 40%. Hintergründe von „teuren Flops“ sind eine häufig falsch verstandene Kundenorientierung. b) Auf der operativen Ebene ist in vielen Betrieben ein zu hoher Anteil „nicht wertschöpfender Tätigkeiten“ zu beobachten: Wenn zu viel Arbeitszeit mit Verwaltung und Dokumentation blockiert ist, bleibt für die Kernaufgaben nicht genug Energie übrig. Hauptsächliche Treiber von Produktivitätsproblemen sind Wartezeiten und mangelnde Abstimmung über Abteilungsgrenzen. c) Probleme auf der operativen Ebene führen häufig dazu, dass keine Zeit bleibt, Zukunftsideen für neue Anwendungsfelder und neue Märkte zu entwickeln. d) Innovationen werden von Menschen gemacht – dass die Arbeit an Innovationen die Menschen stressen kann bis hin zur „vitalen Erschöpfung“, wird auch durch die Studie belegt: In 77% der Betriebe sind „überlastete Schlüsselpersonen“ ein Engpassfaktor. Auch mitarbeiterorientierte Maßnahmen sind daher notwendig, wenn es um die Produktivität in Forschung und Entwicklung geht.

Der Gestaltungsbedarf scheint klar „auf dem Tisch“ zu liegen – doch häufig fehlt die Orientierung, wo anzusetzen ist, um knappe Mittel nützlicher einzusetzen. Die Bochumer Innovationsforscher haben Lösungswege zu einem modularen Konzept ausgearbeitet, das von Unternehmen angefragt werden kann. Ausgewählte Ansatzpunkte: a) Auf der operativen Ebene sollte ein Kontinuierlicher Verbesserungsprozess installiert werden, bei dem die Mitarbeiter eingebunden werden und systematisch aus „Flops“ und auch aus Erfolgen lernen. b) Entgegen gängigen Moden ist jedoch nicht nur eine Steigerung von Effizienz das Ziel. Die Professoren Kriegesmann und Kerka, wissenschaftliche Leiter der Studie, warnen vor einer einseitigen Ausrichtung auf kurzfristige Ziele: „Denn sonst besteht die Gefahr, hocheffizient das Falsche zu machen und Zukunftsfelder zu übersehen!“ c) Die Verpflichtung zum „Werte schaffen ohne Verschwendung“ ist jedoch nicht auf den Schultern und Köpfen der Fachkräfte „abzuladen“. Die Bochumer Innovationsforscher betonen die notwendige Initiative von Führungskräften, ihre Mitarbeiter für „Mehr Produktivität!“ zu begeistern.

(*) Die Studie „FuE-Management: Mehr aus knappen Innovationsressourcen machen“ (ISBN 978-3-928854-39-9) ist über das IAI Bochum zum Preis von 39 Euro zu beziehen.


iAi Bochum Institut für angewandte Innovationsforschung e.V. · Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Bernd Kriegesmann
Buscheyplatz 13 · D-44801 Bochum · Tel +49 (0)234 97117-0 · Fax +49 (0)234 97117-20 · E-Mail info@iai-bochum.de

Wissenschaftliche Einrichtung an
der Ruhr-Universität Bochum

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